Adipositas (permagna)

 

Was ist eine Adipositas?

Die Adipositas (Latein) ist die Fettsucht oder Fettleibigkeit, also eine krankhafte Essstörung mit der Folge von Übergewicht. Zur Fettleibigkeit kommt es bei positiver Energiebilanz, wenn also die Energiezufuhr den Energieverbrauch übersteigt - kurz gesagt 'zu viel Kalorien und zu wenig Bewegung'.

Weitere Wörter mit dem Wortstamm 'adipo'

  • Der Mediziner benutzt gern das Adjektiv und bezeichnet den korpulenten Menschen als adipös.
  • Eine Adiposalgie bezeichnet eine Schmerzhaftigkeit des Fettgewebes bei der Adipositas. Diese tritt häufig beim Lipödem auf. Die Adipositas muss neben dem Lipödem auch von der Lipomatose unterschieden werden.
  • Adiposus bedeutet fettreich, fetthaltig und ist z.B. im Wort 'Corus adiposus buccae' enthalten. Dieser sog. Bichat'sche Fettkörper, auch Fettpfropf genannt, macht einen Teil des Wangenfettes aus und kann bei zu starker Ausprägung im Rahmen einer Wangenkorrektur reduziert oder sogar entfernt werden. Der Panniculus adiposus ist der medizinische Begriff für den Fettbauch (auch Bierbauch).
  • Adipozyten werden die Fettzellen genannt.

Body-Mass-Index (=BMI) in Bezug zur Adipositas

Der BMI wird wie Folgt berechnet:

body mass index

Der Body-Mass-Index beschreibt unmissverständlich das Ausmaß des Körpergewichtes:

  • Untergewicht unter 18,5
  • Normalgewicht: 18,5-24,9
  • Übergewicht: ab 25
    • 25,0-29,9 Übergewicht = Präadipositas
    • 30,0-34,9 Adipositas Grad I
    • 35,0-39,9 Adipositas Grad II
    • ab 40 Adipositas Grad III oder Adipositas permagna

Formen der Adipositas

Im Wesentlichen kann man folgende Formen der Fettleibigkeit unterscheiden:

  • Die generalisierte Adipositas ist die Fettleibigkeit des gesamten Körpers.
  • Bei der lokalisierten Adipositas sind nur gewisse Regionen betroffen, die oft auch geschlechtsspezifisch sind. Dazu gehören die Reiterhosen der Frau und der Bierbauch des Mannes.
  • Die Adipositas permagna ist die Extremform der Fettsucht. Der Body-Mass-Index liegt über 40, das heisst ein Mensch der Größe 175cm wiegt mindestens 122,5kg.
  • Adipositas dolorosa oder Lipödem
  • Adipositas cordis ist die Bezeichnung für die Herzverfettung.

Welche Risiken und Folgen kann Übergewicht haben?

  • Erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipoproteinämie) und erhöhter Cholesterinwert, der die Folgenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich begünstigt.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
    • Bluthochdruck = Hypertonie
    • Gefäßerkrankungen = Arteriosklerose
      • KHK = Koronare Herzkrankheit; ist eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße die zum Herzinfarkt führt.
      • Schlaganfall = Apoplex
    • Herzinsuffizienz = Herzschwäche
    • Gerinnungsstörung im Sinne einer Steigerung der Gerinnung
    • Thrombosen insbesondere der Beine
    • Embolien
  • Diabetes Mellitus Typ II = nicht angeborenen Zuckerkrankheit des Erwachsenen
  • Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Krebserkrankungen ist bei der Adipositas deutlich erhöht - insbesondere:
    • Bauchspeicheldrüsenkrebs
    • Dickdarmkrebs (Koloncarzinom)
    • Enddarmkrebs
    • Brustkrebs (Mammakarzinom)
    • Prostatakrebs
    • Magenkrebs
    • Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)
    • Nierenkrebs
    • Gebärmutterkrebs
    • u.v.m.
  • Arthrosen (Gelenkverschleiß) insbesondere der großen Gelenke an den Beinen kommen bei der Adipositas durch die Überbeanspruchung der Gelenke schon frühzeitig zum Vorschein:
    • Kniegelenksarthrose (Gonarthrose)
    • Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose)
    • Wirbelsäulenschmerzsyndrome
    • X-Beinstellung im Kniegelenk (Genu valgum) mit der Folge einer Fehlbelastung und somit Verschlimmerung der Kniegelenksarthrose.
  • Atemstörungen
    • Verschlechterte Atmungsfunktion (Dyspnoe)
    • Schlafapnoe-Syndrom
    • Asthma
  • Ggf. bei Frauen durch eine vermehrte Bildung von Androgenen (männliche Geschlechtshormone):
    • Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe)
    • Haarausfall
    • Akne
    • Unfruchtbarkeit
  • Gallensteinleiden = Cholezystolithiasis
  • Leberverfettung
  • Sodbrennen (Refluxkrankheit), Hiatushernie
  • Bauchwandbrüche (Hernien)
  • Gicht (Hyperurikämie)
  • Bandscheibenvorfälle insbesondere durch die Fehlbelastung im Bereich der Lendenwirbelsäule.
  • Erhöhte Komplikationsraten bei Narkose, Operationen und Schwangerschaft
  • Mazerationen und Pilzinfektionen in den Körperfalten insbesondere beider Adipositas permagna bei schlecht durchführbarer Körperhygiene.
  • Dehnungsstreifen (Striae) der Haut
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Sekundäre Depression und daraus folgend wiederum reaktives Frustessen
    • Soziale Isolation
    • Minderwertigkeitskomplexe
  • Diskriminierung
  • Durch die Adipositas wiederum zusätzlich sekundärer Bewegungsmangel mit der Folge eines weiteren Energieüberschusses.
  • Reduzierte Belastbarkeit und Fitness
  • Insgesamt deutliche Verkürzung der Lebenserwartung
  • Insgesamt starke Einschränkung der Lebensqualität bei Adipositas

Fakten und Statistik

Im Folgenden einige interessante Zahlen und Fakten zur Adipositas:

  • 50% der deutschen Männer und 35% der Frauen sind übergewichtig (BMI = 25,0-29,9).
  • Eine Adipositas besteht in Deutschland bei 18% der Männer und 20% der Frauen. (1)
  • In Europa hat sich die Häufigkeit der Adipositas in den Jahren 1998-2008 um 10%-40% gestiegen.
  • Die Fettsucht ist bei Männen häufiger als bei Frauen.
  • In den meisten Ländern sind 50% der Bevölkerung Übergewichtig oder adipös. (2)
  • In Europa macht die Fettsucht mit ihren assoziierten Erkrankungen schätzungsweise 7% der Gesundheitskosten aus. (3) Dieses ist zu Vergleichen mit den Kosten aller Krebserkrankungen.
  • Der plötzliche Herztod tritt bei starker Fettsucht ungefähr 15-mal häufiger aus, als bei Normalgewichtigen Menschen.
  • Gicht tritt bei einem Übergewicht von 50% ca. 7-mal häufiger auf.
  • Bei 95% der Übergewichtigen ist eine leichte Leberzellverfettung festzustellen. 35% haben eine Fettleber. (4)
  • Kurzfristige, aggressive Schnelldiäten haben nur einen langfristigen Erfolg von 0-40%. (4)

Behandlung

Die Behandlung der Adipositas muss multifaktoriell angegangen werden. Zum Einen ist die Behandlung der seltenen krankheitsbedingten Ursachen (z.B. Cushing Syndrom, Schilddrüsenminderfunktion = Hypothyreose, ...), und der bestehenden Folgeerkrankungen wichtig, zum Anderen die Gewichtsreduktion. Selbst durch Gewichtsreduktionen um 10% kann das Risiko für die oben beschriebenen Erkrankungen oft deutlich gesenkt werden. Die Behandlung und Kontrolle muss ein Leben lang erfolgen, da Rückfälle in die Fettsucht häufig sind.

Folgende Punkte sind zu berücksichtigen:

  • Ziel ist eine Negative Energiebilanz:
    • Reduktion der Kalorienzufuhr mittels Diät: geringere Menge ans Nahrung und kalorienarme Ernährung
    • Erhöung des Kalorienverbrauches: Bewegungstherapie, sportliche Aktivität
  • Besonders wichtig sind das Management der psychosozialen Ursachen der Adipositas und die Förderung der Motivation.

Operative Eingriffe:

  • Insbesondere bei der Adipositas permagna haben sich Korrekturoperationen am Magen (Gastroplastik, Magenband-Einlage) zur Zügelung des Appetits und der Nahrungszufuhr bewährt, um die Gewichtsreduktion zu erleichtern und zu beschleunigen. Das Laparoskopische Gastric Banding (Magenband-Einlage) ist das heute am weitesten verbreitete Verfahren.
  • Nach erfolgter massiver Gewichtsreduktion bestehen oft enorme Mengen an Hautüberschuss und/oder Restfettdepots (z.B. Bauchfettschürze), welche im Rahmen weiterer Eingriffe zur Hautstraffung korrigierbar sind. Zu derartigen Operationen gehören die Bauchstraffung, die Postraffung, Oberschenkelstraffung u.a. Eingriffe. Bei starkem Hautübeschuss kann ein sog. Bodylift Sinn machen, welches zwar in einem Eingriff einen hohen Aufwand bedeutet, jedoch insgesamt weniger aufwendig ist, was die OP und die Nachbehandlung angeht.

Aktualisiert am 06.06.2016

Pubmed

  • 1, Übergewicht und Adipositas in Deutschland: Overweight and obesity in Germany 1984-2003 - Mensink GB, Lampert T, Bergmann E. - Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2005 Dec;48(12):1348-56.
  • 2, Management der Adipositas bei Erwachsenen: Management of obesity in adults: European clinical practice guidelines. - Tsigos C, Hainer V, Basdevant A, Finer N, Fried M, Mathus-Vliegen E, Micic D, Maislos M, Roman G, Schutz Y, Toplak H, Zahorska-Markiewicz B; Obesity Management Task Force of the European Association for the Study of Obesity. - Obes Facts. 2008;1(2):106-16. Epub 2008 Apr 18.
  • 3, The challenge of Obesity in the WHO European Region and the Strategies for Response: Summary. Branca F, Nikogosian H, Lobstein T (eds) -  Copenhagen, WHO Regional Office for Europe, 2007.
  • 4, Innere Medizin - Classen, Diehl, Kochsieck - Urban & Schwarzenberg - 4. Auflage
  • Cardiovascular risk in 26,008 European overweight children as established by a multicenter database. - I'Allemand D, Wiegand S, Reinehr T, Müller J, Wabitsch M, Widhalm K, Holl R; APV-Study Group. - Obesity (Silver Spring). 2008 Jul;16(7):1672-9. Epub 2008 May 1.
  • Waist circumference and waist-to-height ratio are better predictors of cardiovascular disease risk factors in children than body mass index. - Savva SC, Tornaritis M, Savva ME, Kourides Y, Panagi A, Silikiotou N, Georgiou C, Kafatos A. - Int J Obes Relat Metab Disord. 2000 Nov;24(11):1453-8.