Sehnenscheidenentzündung

Sehnenscheidenentzuendung Operation

 

 

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Abbildung: Sehnenscheidenentzündung beim Karpaltunnelsyndrom. Die Sehnenscheide wird im Klemmchen gehalten.


Unter Sehnenscheidenentzündung versteht man das Auftreten von Entzündungen an der Sehnenscheide (Sehnengleitgewebe), meist infolge einer Überbeanspruchung durch bestimmte berufliche oder sportliche Tätigkeiten. Sehnenscheidenentzündungen können aber auch im Rahmen einer Verletzung (Zerrung, Quetschung,...) auftreten.

Worterklärung:

Sehnenscheidenentzündung = Tendovaginitis = Tendo (Sehne) + Vagina (Scheide)

 

 

Fakten zur Sehnenscheidenentzündung:

  • Am häufigsten ist die Sehnenscheidenentzündung an der Hand lokalisiert. Aber auch am Fuß ist sie nicht selten.
  • In einem Urteil vom Verwaltungsgericht Göttingen (AZ 3 A 38/05 vom 22.08.2006) wurde eine Sehnenscheidenentzündung einer Beamtin der Bundesbahn als Berufserkrankung anerkannt. Diese war verursacht durch die langjährige stereotype Benutzung Ihrer Computertastatur.
  • Extreme Formen der Sehnenscheidenentzündung sind bei der Rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis) zu finden.
  • Ca. 64% bis 95% der Menschen mit rheumatoider Arthritis entwickeln im Verlauf eine Sehnenscheidenentzündung an der Hand.

Folgende Synonyme für die Sehnenscheidenentzündung sind in der medizinischen Terminologie bekannt: Tendosynovitis, Tendovaginitis, Tendosynovitis, Peritendinitis, Paratendinitis.

 

Welche Sonderformen der Sehnenscheidenentzündung gibt es?

  • Tendovaginitis crepitans - Sehnenscheidenentzündung mit fühlbarem Sehnenreiben bzw. Knirschen.
  • Tendovaginitis purulenta - Infektiöse Entzündung der Sehnenscheide in Zusammenhang mit Bakterien.
  • Stenosierende Tendovaginitis oder Tendovaginitis stenosans (Stenose = Enge): Hierher gehört die Tendovaginitis stenosans de Quervain, auch Hausfrauendaumen genannt, und der Schnappfinger. Es handelt sich um eine Einengung einer oder mehrerer Sehnen an Bandstrukturen der Hand durch eine meist chronische Sehnenscheidenentzündungen.

Welche Ursachen kann die Entzündung der Sehnenscheiden haben?

Bei der Sehnenscheidenentzündung ist meist eine Überbeanspruchung der entsprechenden Sehnen eruierbar. Diese entsteht durch wiederholte Tätigkeiten, die monoton sind, durch Fehlhaltungen und durch eine Überbelastung. Das heißt, es handelt sich in der Regel um eine nichtbakterielle Entzündung im Sinne einer Reizerscheinung. Die Sehnenscheidenentzündung  kann aber auch im Rahmen einer bakteriellen Besiedlung z.B. bei Verletzungen auftreten. Die Unterscheidung von der eitrigen und nichteitrigen Sehnenscheidenentzündung ist enorm wichtig, denn die Behandlung ist von Grund auf verschieden. Bei der eitrigen Form können Bakterien rapide über Sehnenscheiden, und Lymphbahnen bis ins Blut gelangen und zur Blutvergiftung.

Die Entstehung eines Teufelskreis bei der Tendosynovitis.

Durch Überbeanspruchung kommt es bei der Sehnenscheidenentzündung zu einer vermehrten Reibung im Bereich der Sehnenscheiden. Dieses führt zu einer Reizung der Sehnenscheiden mit Schwellung. Letztere verschlimmert wiederum die Reibung und so weiter. Durch Reibung an Strukturen wie Bändern (Ringband: Schnappfinger; Strecksehnenfächer z.B.: Tendovaginitis de Quervain; queres Handgelenksband: Karpaltunnelsyndrom, CTS) und anderen Sehnen kommt es wiederum zur Vermehrung der Reizerscheinung. Mikroverletzungen verstärken dabei ebenfalls die Tendovaginitis. Bei der chronischen, fortgeschrittenen Sehnenscheidenentzündung resultiert eine Abnahme der Sehnengleitfähigkeit durch narbenähnliche Veränderungen an den Sehnenscheiden. Es kann zu Verklebungen von Sehnen kommen und somit schließlich zur Einschränkung des Bewegungsausmaßes.

 

Wie sehen die typischen Beschwerdenaus?

Die Symptome der Sehnenscheidenentzündung sind geprägt von folgenden Punkten: Teigige Schwellung, Schmerzen, Rötung, Verhärtungen, Überwärmung. Druckschmerzen über der Schwellung und Schmerzen bei Bewegung und Belastung sind typische Symptome. Weiterhin kann Reibung oder Knirschen bei der Bewegung der betroffenen Sehnen tastbar sein. Manchmal, insbesondere bei chronischer Sehnenscheidenentzündung können Knötchen und Verhärtungen getastet werden.  Bewegungseinschränkung, Bewegungsunfähigkeit und Deformierungen sind meist in Kombination mit Rheuma zu finden.

Die Schmerzen müssen von Beschwerden im Gelenk unterschieden werden. Überbeine sind im Zusammenhang mit Sehnenscheidenentzündungen auch anzutreffen. Diese können Ihren Ursprung in der Sehnenscheide oder im Gelenk haben.

 

  • Die Sehnenscheidenentzündung kann weitere Erkrankungen hervorrufen.
  • Die Sehnenscheidenentzündung geht oftmals mit einer Kompression an Nerven einher. Typische Folge an der Hand ist das Karpaltunnelsyndrom oder das Sulcus ulnaris Syndrom im Bereich des Ellenbogens. Am Fuß tritt manchmal das seltene Tarsaltunnelsyndrom auf.
  • Schwere Folgen bei Rheuma:
    Die Sehnenscheidenentzündung bei Rheuma nimmt nicht selten schwere Züge an. Durch Schwellung der Sehnenscheiden und Gelenkstrukturen führt die Dehnung von Bändern, Gelenkkapsel und die Fehlleitung von Sehnen zu Deformierungen der Finger und der Hand.
  • Berufsgruppen mit Häufung der Sehnenscheidenentzündung:
    Bei den folgenden Berufsgruppen und Aktivitäten ist die Sehnenscheidenentzündung häufiger:
    • Schreibkräfte
    • Musiker (Pianisten, Gitarristen usw.)
    • Masseure und Physiotherapeuten
    • Sportler! Kletterer, Geräteturner, Tennisspieler, Ruderer ua.

 

Wie wird die Behandlung der Sehnenscheidenentzündung durchgeführt?

 

 

Konservativ:
Die Stichworte für eine konservative Behandlung der Sehnenscheidenentzündung sind Ruhigstellung, Hochlagerung, Kühlung:

  • Ruhigstellung: Eine Gipsanlage (oder Klettverschlussschiene) ist bei Sehnenscheidenentzündung meist zu empfehlen, da somit eine ausreichende und sichere Ruhigstellung gewährleistet ist.
  • Überbeanspruchung unterbinden! Auslöser auf null reduzieren!
  • Hochlagerung: Die Hand sollte bei einer Sehnenscheidenentzündung über das Herzniveau gehalten werden um einen verbesserten Blut und Lymphabfluss zu gewährleisten. Bleibt dieses unbeachtet, staut sich das Gewebewasser in der Hand und führt zu einer vermehrten Schwellung. Die Hand kann zusätzlich mehrmals am Tag für ein bis zwei Minuten komplett über den Kopf gestreckt werden. Auch nachts ist eine erhöhte Lagerung von enormer Wichtigkeit. Die Hand kann auf dem Bauch liegen oder auf einem gefalteten Kissen.
  • Kühlung führt zur Reduktion der Schwellung.

Medikamente und Salben

  • NSAR = nichtsteroidale Antirheumatika vermindern die Schmerzen und die Schwellung.
  • NSAR-Salbe zur Reduktion von Schmerz und Schwellung.
  • Zinksalbe hat einen Effekt der Kühlung.
  • Als pflanzliches Mittel führt Arnika zu einer Abschwellung.

Injektionen bei Sehnenscheidenentzündung: 

Bei einer stärkeren Sehnenscheidenentzündung sollte man über einer Injektion in den Bereich der Sehnenscheiden nachdenken, um den Teufelskreis zu unterbrechen und eventuell eine Operation zu vermeiden. Vorsicht ist geboten in der Nähe von Nerven. Insbesondere im Bereich des beugeseitigen Handgelenkes, wo die Sehnenscheidenentzündung am häufigsten auftritt, darf man nicht vergessen, das der Nervus medianus (der mittlere Handnerv) über den Sehnenscheiden liegt!

  • Örtliche Betäubungsmittel führen meist nur zur kurzfristigen Besserung.
  • Kortison: Es ist sehr effektiv, aber man sollte nicht außer Acht lassen, dass Kortison zu Nervenschädigung führen kann.
  • NSAR

Weitere Behandlungsmöglichkeiten:

  • Lymphdrainage
  • Iontophorese
  • Massage

 

Wie kann man eine Vorbeugung von Sehnenscheidenentzündungen erreichen?

  • Monotone stereotypische Bewegungen reduzieren.
  • Starke Belastungen reduzieren.
  • Vor sportlichen Tätigkeiten oder bei Musikern vor dem Spiel Aufwärmübungen und Dehnübungen durchführen.

Eine Operation kann bei einer fortgeschrittenen Sehnenscheidenentzündung sinnvoll werden.

sehnenscheidenAbbildung rechts: Entfernte Sehnenscheiden bei Operation wegen Sehnenscheidenentzündung.

 

Das Prinzip der Operation der Sehnenscheidenentzündungen ist einfach. Die aufgequollenen verdickten Sehnenscheiden werden entfernt oder teilentfernt. Zusätzlich vorhandene Überbeine werden entfernt. Verklebungen, die bei länger bestehender Sehnenscheidenentzündung vorhanden sein können werden gelöst. Dabei müssen die wichtigen benachbarten Strukturen wie Nerven und Gefäße geschont werden. Bei Karpaltunnelsyndrom oder stenosierenden (einengenden) Sehnenscheidenentzündungen müssen die entsprechenden Bänder durchtrennt werden (siehe jeweilige Kapitel).

Die Nachbehandlung im Anschluss ist sehr unterschiedlich, da abhängig von dem Ausprägungsgrad und den Begleiterkrankungen. Ruhigstellung, Kühlung, Hochlagerung und Schmerztherapie sind auch nach der Operation für einige Tage bis wenige Wochen wichtig.

Bei Rheuma ist die Operation der Sehnenscheidenentzündung meist komplexer. Hier müssen oft auch Korrekturen der Lage und Spannung an Sehnen und Bändern erfolgen.

 

Aktualisiert am 03.12.2015

  • Green’s Operative Handsurgery - Green, Hotchkiss, Pederson, Wolfe - Elsevier Churchill Livingstone - Fifth Edition
  • Operationsatlas Handchirurgie - Pechlaner - Thieme -Stuttgart 1998
  • Plastische Chirurgie - Springer - Berger, Hierner - Band 4: Extremitäten - Berlin 2008